OV-Geschichte
O r t s v e r b a n d S ü d e r b r a r u p , M 1 5
Hier finden Sie zeitgeschichtliche Informationen zum unserem Ortsverein sowie dem Amateurfunk in allgemeinen
Der Ortsverband Süderbrarup M15, seine Geschichte und seine Aktivitäten
Süderbrarup liegt im Zentrum der Landschaft Angeln, die begrenzt durch die Flensburger Förde, der Ostsee, der Schlei und dem alten Ochsenweg - jetzt BAB 7 - südöstlich von Flensburg liegt.
Oft hört man, daß sich jetzt ein Zentrum der Aktivität des Amateurfunks in Schleswig-Holstein im OV Süderbrarup befindet. Wie dieser Eindruck entstand, soll hier geschildert werden:
Aus der Zeit vor dem letzten Krieg ist von Amateurfunktätigkeit nichts bekannt, obwohl es auch schon Leute gab, die sich in unserem Raum ihr Radio selbst bastelten. Die Wirtschaft war landwirtschaftlich geprägt, erst mit dem Ende des letzten Krieges kamen Menschen ins Land, die mit dem, was wir heute Elektronik nennen, beruflich zu tun hatten.
Das Ende einer Luftwaffeneinheit als Keimzelle
Schleswig-Holstein war im Frühjahr 1945 zum Rückzugsgebiet verschiedener Wehrmachtsteile geworden und blieb bis zur Kapitulation unbesetzt und von Bodenkämpfen verschont. Überall, wo sich Eisenbahnanlagen und Lagerräume befanden, wurde technisches Wehrmachtsgut gelagert. Auch das zugehörige technische Personal hielt sich meist dort auf. In Süderbrarup gab es, wegen der Kreuzung der (ehemaligen) Kreisbahn Schleswig-Kappeln mit der damaligen Reichsbahnstrecke Kiel-Flensburg, viele Gleise mit Stellflächen für Transportwaggons. Das gesamte Bahngelände war vollgestopft mit Waggons, die zu einer Luftwaffeneinheit gehörten, deren Aufgabe die Montage und Wartung der damaligen Funkmeßeinrichtungen war (heute als Radar bezeichnet). Nach 1945 waren so zumindestens die technischen Voraussetzungen fürs Amateurfunken gegeben: Es gab Elektronikschrott in Hülle und Fülle und auch mit dem “Funken” bereits vertraute Menschen.
Der Beginn 1948/49
Einer davon war Willy Meyer-Stüve, DL1GA, der als Erster in der sogenannten DA-Zeit (Schwarzfunken mit von Amateuren selbsterteilten Rufzeichen) im Jahre 1948 die ersten Funkverbindungen aus Süderbrarup machte. Er sammelte weitere Interessierte aus Süderbrarup und Umgebung und so kam es bald zu einer Gründung eines Ortsverbandes des dann späteren DARC. Im Laufe der Jahre gab es so um die 20 Lizenzinhaber, wobei aber einige schon in den 50-er und 60-er Jahren verstarben, bzw. verzogen.
Wechsel 1969
Im Jahre 1967 wurden auch Lizenzen ohne Morseprüfung erteilt: Die C-Lizenz. Von Paul Ziffer, DJ4UP, wurden damals an der Volkshochschule Lehrgänge zur Erlangung der C-Lizenz durchgeführt. Das hatte eine erhebliche Steigerung der 2-m-Aktivitäten zufolge. 1969 gab es Neuwahlen und Emil Johannsen, DC8BZ - jetzt DK4LI, wurde OVV. Ende der 60-er Jahre gab es einen großen Zuwachs an Lizenzen: William, DJ1XT, Manfred, DK2OY, Jörg, DC8NE -> DJ1PN, Manfred, DC8HF -> DJ6PE, Ulli, DC6BV -> DK4VW, Reinhard, DC9LA -> DK5LA, Hans-Wilhelm, DC8HW -> DK9LA, Volker, DC8HD usw. Später wechselte der Vorsitz: Nach DK4LI folgte Ludwig, DF2LM, dann Harry, DL4LH, und jetzt Lutz, DL1LAA. "Hinzugefügt von Jan : Jetzt (2010) Wolfgang, DL3LAB"
Zusammenarbeit mit Volkshochschule und Amt Süderbrarup
Die Zusammenarbeit mit der VHS wurde weiter ausgebaut, was zu Zuschüssen der VHS führte und das Amt Süderbrarup stellte einen Raum im alten Amtshaus zur Verfügung, wo OV-Abende und Sonntagvormittagstreffen stattfanden. Auch einige Mobilfuchsjagden brachten Publizität in der örtlichen Presse, was wiederum einige Neuzugänge bewirkte. “Offen sein für Alle” war die Devise. Die Ersten, die sich vom damals, auch vom in unserer Gegend neuen CB-Funk abwanden, fanden zu uns und stellten später eine große Bereicherung dar. Für die OV-Funk-Aktivitäten wurde das Rufzeichen DL0CS zugeteilt.
Ein Pastor als Brücke zum Amateurfunk - weitere Ausbildungsaktivität
In Munkbrarup bei Flensburg nutzte Karl, DL2OR, die räumlichen Möglichkeiten seines Pastoratsgebäudes und unterrichtete abends im Konfirmandensaal viele ex-CB-ler und sonstige Interessierte. In mehreren Lehrgängen führte er wohl an die 2 Dutzend zu einer Lizenz. Diese Ausbildungen führten dazu, daß ein gewichtiger Teil der Mitglieder des OV M15 im oder nahe dem Stadtgebiet von Flensburg wohnen!
Erster Fieldday
Man wollte auch den anderen Funkamateuren in Schleswig-Holstein gegenüber zeigen, daß Süderbrarup auch gemeinschaftlich Leistungen erbringen kann. Was eignet sich besser dazu als ein Fieldday? Im Juni 1970 zog man auf ein Gelände in Steinbergholz an der Flensburger Förde, wo mit Quad und Dipolen das erste Mal an einem FD-Kontest mitgemacht wurde: Es reichte zum 22. Platz! Die Aktiven damals waren u. a. DJ1XT, DL2AN, DK2IY, DK2OY, DJ6PE. Zunächst wurde mit ausgeliehenen Generatoren von der Bundeswehr gearbeitet, nachdem diese sich aber als zu unverlässig herausstellten, konnten posteigene ausgeliehen werden.
Fielddays werden zur Gewohnheit
Letztes Jahr (1995) wurde zweimal ein Jubiläum gefeiert: Zum CW-FD die 25. Beteiligung und im September 95 zum SSB-FD der 50. Fieldday überhaupt. Nachdem der 1. FD zum 22. Platz (CW) führte, wurde das Ergebnis nach und nach gesteigert: Ab etwa Mitte der 70-er war man nie schlechter als Platz 7, meist 5. oder sogar 4. Platz. Im Jahre 1990 wurde die Schallmauer erreicht: 1. Platz! Zwar gab es 1991 “nur” den 2. Platz - seitdem scheint man in der offenen Klasse Platz 1 gepachtet zu haben?
Für die SSB-Fielddays ergibt sich ein ähnliches Bild: Platz 12 in der Klasse D im Jahre 1971. Ein Startversuch in der Klasse B im Jahr 1977 brachte damals schon den 1. Platz. Der Sieg mit Platz 1 wurde dann in der offenen Klasse erstmalig wieder 1985 erreicht - nach “geringen” Verlusten in 1987 und 1990 (2. und 3. Platz) scheint der 1. Platz (in offener Klasse) seit Jahren der Stammplatz von M15 zu sein.
Fieldday-Gruppe im OV
Um die Fieldday-Aktivitäten, zusätzlich zu den OV-Zuschüssen, finanziell bei größeren Anschaffungen unterstützen zu können, wurde 1978 eine Fieldday-Gruppe gegründet. Hier zahlt jeder nochmals 20,- DM in eine Fieldday-Kasse ein. Diese Gruppierung versteht sich nicht als Konkurrenz zum eigenen OV, sondern lediglich als Ergänzung - sie ist fest mit dem Ortsverband verbunden. In einer “Fieldday-Zeitung”, die von DK2OY, herausgegeben wird, werden u.a. Ergebnisse, Kritik, Wünsche und Ziele festgehalten.
Weitere Kontestaktivitäten - DARC-Clubmeisterschaft
Nachdem einige Mitglieder auch andere Konteste (Weihnachtswettbewerb, WAE-Konteste, UKW-Konteste usw.) mitmachten, ergab sich automatisch damit verbunden eine recht gute Platzierung in der Clubmeisterschaft. Bei den Besprechungen in der Weihnachtszeit, an der auch die weit von Süderbrarup entfernt lebende Mitglieder teilnehmen können, wurde darüber diskutiert, wie man nun gezielt besser abschneiden könnte. Am wichtigsten erschien es die Auswirkungen der Randlage bei UKW-Kontesten etwas abzumildern: Endstufen und Antennengruppen mußten gebaut werden. Nach dem K2RIW-Prinzip baute Ulli, DK4VW mehrere Endstufen für 2m und 70cm und Wolfgang, DL3LAB, steuerte die Antennen dazu bei.
Bei den Fielddays wurden dann auch nur noch Eigenbau-Monoband-Yagis für die höheren Bänder eingesetzt, während für 40m ein 4-Element-Phased-Array und für 80m ein 2-Element-Phased-Array konstruiert wurde. Wulf, DL9LAU brachte später einen fahrbaren Versatower aus England mit, der dabei half, die gesamte Antennen-Ausrüstung in der maximal erlaubten Aufbauzeit aufzurichten und in nur ca. 2 Stunden nach FD-Ende wieder vom FD-Platz zur Lagerstätte auf dem Hof bei DK4LI zurückzuschaffen. Natürlich geht sowas nur, wenn u.a. die mehrere Kilometer Radialdrähte mit einer speziellen Vorrichtung ab- und aufgewickelt werden. Desgleichen für die langen Koaxialkabel: Diese werden mit einem Elektromotor-Wickelapparat wieder zusammengerollt. Die Handgriffe zum Auf- und Abbau sind außerdem mit den Jahren gut eingeübt.
Sieger in CM 1987
Die Ergebnisse bei der Platzierung in der Clubmeisterschaft wurden natürlich besser, aber man erwartete nie, daß irgendwann einmal ein 1. Platz darin zu erreichen wäre. Bei den Jahresbesprechungen wurde immer nur “Platz 6 und besser” angezielt. Das erspart irgendwelche spätere Enttäuschungen und verleitet auch niemanden irgendwo und -wann mal “nachzubessern”. Es wurde aber tatsächlich einmal die CM gewonnen: im Jahr 1987 - nur daran waren wir nicht alleine “schuld”. Später hatte u.a. ein Gewinner nur einen einzigen Punkt mehr - es wurden immer vordere Plätze erreicht - jeweils besser als der angepeilte 6. Platz! Das Ergebnis für 1996 steht noch nicht endgültig offiziell fest, möglicherweise Platz 1?
Sonderrufzeichen
Neben den Clubrufzeichen DL0CS und DK0CS wurden auch andere Calls zu bestimmten Ablässen aktiviert: So z.B. während des “World Communication Year 1983? das Rufzeichen DK1WCY, dann 1995 anläßlich 100 Jahre Kommunikation per Funk das Sonderrufzeichen DA0WCY.
Funkwagen M15
Begonnen hatte es ja seinerzeit mit Zelten oder einem Möbeltransportwagen, die als Stationsraum bei den FD an der Flensburger Förde oder an der Schlei dienten. Als sich die Gelegenheit ergab einen Unimog mit angebautem Aufenthalts- und Arbeitsraum zu erwerben, griff man zu. Später wurde der Unimog gegen einen Ford-Zivilschutzwagen getauscht, der mehr Innenraum hatte.
Einziger Nachteil: Er sprang schlecht an und brauchte für die 2,5 km zum FD-Platz fast 20 Liter Sprit! Wenn er, wie dann bald geschehen, nur noch mit dem Traktor gezogen wurde, dann sparte man wieder Zeit (und Geld)! Nach der “Wende” konnte man aus dann Bundesbeständen einen richtigen Funkwagen bekommen.
Dieser auch jetzt in den Einsatz kommende Wagen wurde besser isoliert und passend eingerichtet. Die Elektromeister des OV (DL4LM, DJ1XT, DL1LAO) stifteten das elektrische Installationsmaterial und die Arbeit dazu. Eine Montagetafel nimmt wieder alle ankommenden Koaxkabel auf und leitet sie zu den fest montierten Umschaltern, so daß immer nur noch die Funkgeräte und Rechner reingestellt und angeschlossen werden brauchen - auch dies alles, um Zeit zu sparen.
Winteraktivitäten
Was liegt näher als alles vom vorhandenen Material, was zum DX-en in der Winterzeit auch gebraucht werden kann, für einige Wochen auf einem Gelände am Hof von DK4LI aufzubauen und z.B. bei 3800 kHz (manche sagen dazu “Spinnerecke”) mitzumischen?
Das 2-Element-Phased Array für 80m kann ja mittlerweile auf 4 Elemente, bei Strahlungsumschaltung alle 60 Grad, erweitert werden. Auf 160m ist auch eine Vertikalantenne mit Fernabstimmung vorhanden, der Funkwagen wird elektrisch (nicht nur mit Anodenverlustleistung!) beheizt und einige Mitglieder sind zwischen Weihnachten und Neujahr in ihrer alten Heimat anwesend. Mehrere Beverage-Empfangsdrähte (bis zu 16 als Stern) sorgen für möglichst störfreiem Empfang der DX-Stationen.
Partnerschaft mit Kaliningrad/Königsberg (Clubstation RK2FWA/RW2F)
Der OV M15 hat zwei offizielle OV-Frequenzen: Eine ist im 2-m-Band bei 145,400 MHz und die andere ist abends (ca. 19h30) auf 80m bei 3600 KHz (+ QRM). Gerade die 80-m-Welle fördert den Zusammenhalt mit den “verzogenen” Mitgliedern, erlaubt aber auch Gespräche mit unseren Kontestgegnern und sonstige Kontakte: Jeder Anrufer wird freundlich aufgenommen. Dies hat sicherlich über die Jahre geholfen viele “Sympathisanten” zu finden, die beim CQ-Contest-Rufen gerne einen Punkt abliefern. Von dem manchmal rüpelhaften Verhalten einiger Runden gegenüber Newcomern will man sich bei M15 bewußt abzusetzen.
Mit dem Beginn der Perestroika in der damaligen Sowjet-Union gab es vermehrt Anrufe von UA-Amateuren, die schließlich schon zu festen Linien wurden. Ostpreußen wurde 1990 bei der Jahresbesprechung schon mal als Ziel einer Besuchsreise zu Funkamateuren dort ausgeguckt, obwohl es noch Sperrgebiet für Ausländer war. Wir signalisierten dem dortigen “Ortsverband”, daß wir eine Partnerschaft mit gegenseitigen Besuchen anbieten. In der Tat: Anfang 1991 wurde die Sperre aufgehoben und so machte sich im Juli eine 6-er-Gruppe unter Leitung vom OVV DL4LH für die 2-tägige Bahnreise auf den Weg (ausführlicheres in cq-DL 12/91). Danach kam es mehrfach wieder zu gegenseitigen Besuchen.
Auch “Ausländer” in Contest-Mannschaften bei DL0CS.
Wenn man die Möglichkeiten der einzelnen Konteste ausschöpfen will, dann werden viele Operators gebraucht. Es haben sich immer wieder befreundete Amateure angeboten bei M15 mitzumachen. Wenn man das Gefühl hatte, daß die Betreffenden auch in unser Team passen würden, dann haben wir diese Angebote gerne angenommen. Beim FD war deren Personalanteil begrenzt, während andere Aktivitäten, so zum Beispiel die CQ-WW-Konteste 1992, einen erheblich größeren “Fremdanteil” hatten. UA2FJ und UA2FM, da sie in DL arbeiteten, konnten mehrfach bei FDs mitmachen. Andere kamen, gezielt nur wegen des CQ-WW, von außerhalb: Berlin, Bayern (BCC), Hamburg, Niedersachsen und wieder Kaliningrad.
Packet-Radio-Aktivitäten
Das Interesse an Packet-Radio führte 1991 zur Bildung einer weiteren Interessengruppe: M15-Packet-Radio-Gruppe. Ziel war zunächst die finanziellen Voraussetzungen für den Bau und späteren Unterhalt eines Digipeaters zu schaffen. Dank Harry, DL4LH, konnte auf dem Silo in Havetoftloit der Digipeater DBØSUE dann installiert werden. Für Lutz, DL1LAA, war die Aufgabe einen gut funktionierenden Digipeater aufzubauen eine willkommene Herausforderung, die er mit bestem Ergebnis meisterte: Sein “Kram” läuft. Linkstrecken wurden nach Husum, Kiel und Flensburg eingerichtet. Als weiteren Digi des OV M15 kam 1994 DBØFLD in Flensburg-Weiche dazu.
Seit kurzem hat jetzt auch die Bake DKØWCY einen Paket-Radio Zugang, und ist an das Schleswig-Holsteinische Paket-Radio Netz angebunden.
© DK4VW 1996
© DARC Ortsverband Süderbrarup M15